Ich möchte euch gern an ein paar Sachen teilhaben lassen, die ich bis jetzt für meine Facharbeit zum Thema Erwählung und Verantwortung herausgefunden habe.
Das hier ist ein Auszug mit ner Menge Interessanter Sachen wie ich finde! 
Inhaltsverzeichnis:
1. Allwissenheit Gottes: 2. Vorherwissen Gottes: 3. Gott ist allmächtig: 4. Gott erhält die Welt: 5. Gott und das Böse: 6. Verantwortung des Menschen im Bezug auf das Heil: 7. Der (freie) Wille des Menschen:

Zeitlebens hat Luther auf den Spuren Augustinus und übrigens auch des gesamten Mittelalters eine absulute Vorherbestimmung aller Menschen durch Gott zum Heil oder Unheil vertreten.Darin ist er,wie alle vor ihm und noch viele nach ihm bis ins 20. Jahrhundert hinein,ein unseliger Erbe Augustins und seines (für ihn unvermeidlichen) Mißverständnisses der paulinischen Lehre im Römerbrief (Röm 9-11).
Wenn Luther noch in ´Deservo arbitrio´ erklärt: ´Das ist die höchste Stufe des Glaubens,zu glauben,jener sei gütig,der so wenige selig macht,so viele verdammt;zu glauben,er sei gerecht,der durch seinen Willen uns so,daß es nicht anders sein kann,verdammenswert macht,daß es scheint…,er ergötze sich an den Qualen der Unglücklichen und als sei er mehr des Hasses als der Liebe wert´,so wiederholt er damit nur auf seine Weise den kühlen und darum um so mehr schockierenden Satz des Thomas,daß Gott deswegen nur wenige zur ewigen Seligkeit vorherbestimmt,weil seine Barmherzigkeit um so heller in Erscheinung trete,wenn nur wenige das Hochziel des ewigen Lebens erreichen.
Im einen wie im anderen Fall ist es nichts als das ´schauerregende´ Gottesbild des Augustinus,das so zu nennen die Augustinusforschung unserer Tage nicht länger zögert.Erst in unseren Jahren löst sich allmählich der Bann dieser furchtbaren theologischen Verwirrung,und zwar nicht nur unter dem Einfluß einer richtigen Exegese von Röm 9-11,sondern auch und vor allem durch den vollkommen neuen sytematischen Ansatz,den wir der ´Erwählungslehre´ Karl Barths verdanken.
Insoweit also muß Luther entlastet werden.Er ist auch noch unendlich viel mehr als die unter Denkblockade stehenden mittelalterlichen Theologen auf dem richtigen Weg,wenn er die Frage der Prädestinationslehre nicht nur,wie Augustinus und Thomas,für eine Frage theoretischer Wahrheit oder theoretischen Irrtums über Gott hält: ´Frage nicht,wenn du nicht irren willst´,sondern sich eingesteht,daß die Prädestinationslehre,nimmt man sie ernst,zum Verzweifeln ist.Darum auch an alle Phasen seiner Lehrtätigkeit
seine rigorose Anwendung,den Spekulationen über die göttliche Vorherbestimmung ein für allemal abzusagen und sich statt dessen an Christus zu halten,in dem Gott uns seinen Heilswillen enthüllt und damit für jeden,der an ihn glaubt,gewissermaßen geschichtlich das Problem der Prädestination gelöst hat.
Dann aber kommt die einmalige Zuspitzung:Offenbar - jedenfalls hält Luther das für ganz selbstverständlich - wird das Christusheil doch nicht an allen menschen wirksam.Anderseits ist für Luther die auf die absolute Prädestination hinauslaufende Gedankenreihe unumstößlich,keine Einwände machen ihn darin irre,weder der Hinweis auf Gottes Gerechtigkeit noch die behauptete Gefahr für das sittliche Bemühen noch die befürchtete Bedrohung der Glaubwürdigkeit der göttlichen Liebe.Dann aber muß die Tatsache,daß das Christusheil nicht allen zugute kommt,darauf zurückgeführt werden,daß hinter dem geoffenbarten Heilswillen,der allen Menschen gilt,noch ein verborgener Wille Gottes steht,demzufolge nicht alle Menschen das gleichwohl allen Menschen geltende Angebot der Gnade im Glauben annehmen.Und diesem verborgenen Willen muß demnach die doppelte Prädistination zugewiesen werden.Die verborgene Gnadenwahl Gottes gehört hier also nicht,wie bisher,zum Offenbarungs- und Heilshandeln Gottes,sie bleibt noch hinter Gottes Heilshandeln,unbefragt,in Anerkennung der Majestät Gottes nur anzubeten.
(Prof.Dr.Otto Hermann Pesch)